27.09.07 | Bericht von Erst-Helferin
Heute bekam ich eine E-mail von der Erst-Helferin Julia Hartstern, die mich am Unfallort versorgt hat. Sie hat mir den Unfallhergang aus ihrer Sicht erzählt und da mir der Text sehr gut gefallen hat und mich berührt hat, habe ich mir gedacht, das möchte ich euch nicht vorenthalten.
Ich war mit meinen Freunden auch in Klingenmünster auf diesem Seefest. Wir waren zu viert und wollten gerade gehen. Meine Freundin und ich warteten nur noch darauf dass unsere Freunde vom Gläser abgeben zurückkommen. Wir hockten noch auf der Bank und schauten zwei Jungen zu wie sie auf der einen Seite ins Wasser gingen und ans andere Ufer schwammen. Wir dachten uns noch „oh Gott, die haben doch einen Knall“, in diesem kniehohen See (der absolut nicht zum Baden geeignet war) rein zu gehen.
Als die Zwei dann aus dem Wasser kamen sah ich noch wie sie in Richtung Ausgang auf den Hügel rannten. Ich dachte mir erst nichts dabei, weil, vielleicht wollten sie ja nach Hause rennen. Ich merkte aber schnell dass dem nicht so war sondern sie blieben auf dem Hügel in Richtung Wasser schauend stehen. Da stand ich instinktiv auf und wollte zu meiner Freundin noch sagen: „Die werden doch jetzt nicht von dort oben ins knietiefe Wasser springen wollen, aber da war es schon zu spät. Ich rannte sofort los, um nachzusehen ob ich helfen konnte. Dabei wäre ich beinahe selbst noch reingefallen. Rief meiner Freundin nur noch zu dass sie auf mich warten sollen und weg war ich.
Als ich an der Stelle ankam, trug ein Junge den Anderen schon aus dem Wasser und mir war sofort klar, dass dies was Ernstes sein muss. Der Junge legte ihn dann am Hang außerhalb des Wassers ab und ich begann sofort damit die Platzwunde am Kopf abzudecken, denn es blutete sehr stark. Danach fragte ich ob er noch etwas spürte, weil er gleich fragte ob noch alles da war. Ein anderes Mädchen zwickte dem Jungen vorsichtig in den Oberkörper und ich fragte ob er das noch spüre? Er antwortete: „Nein“. Da wurde mir klar dass es richtig ernst war. Von da an hatte ich alle Mühe den Kopf (eigentlich den ganzen Körper) ruhig zu halten und noch mit einer Hand die Platzwunde zu halten.
An diesem ganzen Vorfall haben mich mehrere Dinge sehr aufgeregt. Zum Einen wollte ich, dass jemand etwas hat, um ihn zuzudecken, denn er war ja klatsch nass. Zum Anderen hat es ewig gedauert, bis mal jemand etwas hatte, dass ich die Wunde abdecken konnte. Man musste die vielen Leute die drumherum versammelt waren erst ein paar Mal anschreien.
Der größte Hammer war aber die Polizei. Die kamen an, leuchteten mir mit ihrer blöden Taschenlampe direkt in die Augen und standen einfach nur da. Der eine Polizist meinte dann plötzlich, dass der Junge so nicht liegen bleiben kann und befahl, ihn auf eine ebene Fläche zu legen. Ich schrie dann nur noch, dass der Junge auf keinen Fall bewegt werden darf und es brach plötzlich eine Hektik aus. Es waren Gott sei dank sehr viele Helfer außer mir da, um dies zu verhindern. In der ganzen Zeit redeten ein Mädchen und ich auf den Jungen ein um ihn wach zu halten. Ich war dann auch sehr erleichtert als ich endlich den Krankenwagen hörte. Ein Rettungsassistent trat heran und wir schilderten was passiert war. Er nahm dann meine Stellung ein, denn ich hatte schon Krämpfe in den Armen, und versorgte die Wunde. Ab diesem Zeitpunkt lief alles nur noch wie ein Film an mir vorbei und wie in Trance lief ich an die am See angrenzende Kneipe, wusch mir die Hände und ging nach Hause.
Ein paar Tage später erfuhr ich, dass der Junge aus Billigheim-Ingenheim war und Robert Croissant heißt. Da rief ich sofort meine Oma an, denn die wohnt auch dort, schilderte ihr alles und fragte ob sie die Familie kenne. Daraufhin habe ich lange überlegt ob ich mal anrufen soll und nach dem Jungen frage, denn es lies mir auch Wochen später keine Ruhe.
Irgendwann habe ich mich dazu durchgerungen und die Nummer gewählt, die ich von der Auskunft bekommen habe. Zuerst hatte ich einen Bruder am Telefon, der meinte, ich solle später noch mal anrufen wenn die Mutter des verunglückten Jungen da sei.
Das tat ich dann auch. Ich schilderte ihr in kurzen Worten wie der Unfall passiert ist und wie der Verlauf war. Danach fragte ich, wie es dem Jungen denn ginge (ich dachte mir eigentlich ist das eine blöde Frage)? Sie erzählte mir von dir. Als ich auflegte war ich trotz der Vorahnung ziemlich geschockt.
Bis heute muss ich immer an diesen Vorfall denken. Und sage ganz klar: ICH WÜRDE DIES JEDER ZEIT WIEDER TUN!!!!!!!!